Texte

„Bernd Kommnicks kuenstlerisches Trachten zielt auf den Umgang mit konzentrierten, vereinfachten Formen mit meist duennen zarten Umrisslinien.“ (Raimund Hoffmann, Ausstellungskatalog der galerie parterre, Berlin 1995)

Inzwischen sind Reduktion und Konzentration zu einer Methode geworden, mit der Bernd Kommnick nicht nur seinem aesthetischen Konzept folgt; er steigert damit seine Aussagekraft und erreicht eine hohe geistig-gedankliche Verdichtung.

In kontrastierenden Farben, haeufig Schwarz und Rot, setzt er Zeichen auf strukturierten Flaechen. In neuerer Zeit entstehen auch monochrome Werke, die in ihrer farblichen Intensitaet von gluehend Gelb und Rot bis matt Schwarz Ocker variieren. Die Flaeche wird zum Bild; eingeritzte Zeichen assoziieren Menschen, Siedlungen, Bewaesserungssysteme. „Diese Zeichen, vor allem die Ritzungen, sind wie eine Sprache, deren Sinn darin besteht, Verbindendes zu artikulieren.“(Bernd Kommnick) Dr.Walter Schmitz

„Die Flaeche hat fuer Bernd Kommnick ideelle und formale Bedeutung, nicht der Raum…“. (Raimund Hoffmann, s.o.) Dennoch schafft er filigrane, matt-schwarz gehaltene Plastiken. „Sie sind gleichsam das Ergebnis vorklaerenden Zeichnens, das die plastischen Elemente ausbalanciert.“(Bernd Kommnick)

Wenn man die Ebenen untereinander spielen laesst

Die Bilder von Bernd Kommnick

Es ist diese unglaubliche Innerlichkeit, die gefangen nimmt: “Magas“, “Meja“, zwei grossformatige Assemblagen aus dem Jahre 2001. Die Beruehrung, die sie stiften ist irritierend intensiv; die aesthetische Stringenz ist ebenso sinnlich anziehend in ihrer kostbaren Graumodellierung des malerischen Grundes – wie distanziert kuehl durch die geometrische Gestik der figuerlichen Bildobjekte, die in der montierten Komposition die Balance halten und dennoch feinste dissonante Spannungen unablaessig mit sich austragen. Im Grunde ist in diesen beiden Bildern das ganze, hoechst eigene und facettenreiche Kunstkonzept von Bernd Kommnick angelegt, brillant und in einer weise unpraetentioes, die das Empfindsame der bildnerischen Prozesse auf seinem Weg wohl zu hueten weiss;. Die Wirkung; seltsam einvernehmlich, geradezu vertraut, ohne Nachdruck, ohne Vermittlung auskommend – ohne ein Beduerfnis nach Dekodierung.

Die Beruehrung ist pur, wenn man so will, naturgemaess. So, als ob die Kunst Kommnicks eine beilauefig daherkommende, gedankliche Essenz des Gegenuebers antizipiert, als vorweggenommene Uebereinkunft. Ohne, dass ihm das ein unbedingter Anreiz waere, und ohne, dass er davon ausgehen wuerde.

Kann sein, die Faszination ruehrt aus diesem ausnehmend klaren Mass, das seine Bilder am Leibe haben, gleich aus welcher Phase seines Schaffens und gleich in welcher Graduierung. Kann sein, er hat, nach dem listenreichen Vorschlag seines Lehrers Wolfgang Leber aus Hochschulzeiten, sein Unvermoegen kultiviert.

Kann sein, der aufhaltende Versuch vom Verrinnen der Zeit, die wir nur begrenzt zur Verfuegung haben, vor Augen zu fuehren – nimmt gefangen und trifft mitten in die Seele.

Letztlich ist es der grosse Atem, die leidenschaftliche Praezision, die gehueteten Geheimnisse, das hohe Spiel mit den Ebenen, mit Flaechen und Raum…, geistig, mental, formal, die unseren Wahrnehmungsmechanismen eine Irritation zufuegen: spurenreich oder minimalistisch rein; zeichenhaft und dennoch einzig den Gesetzen der Form angetraut.

Der magische Moment, das Konkrete und das Metaphysische begegnen sich in seinen Bildern nicht als Gegensaetze. Sie verbuenden sich mitunter in den vielfach geschichteten und wieder abgetragenen Tiefen seiner Malgruende. Dem Klang, der daraus entsteht, haftet etwas zutiefst Melancholisches an, das selbst noch in seinen grossformatigen Druckgrafiken aufscheint und deren transparente freie Aura begleitet. Es scheint so, dass sich Kommnick zunehmend nach ganz alten Gesetzen richtet, sie belebt, neu berechnet, neu erstehen laesst, neu erfindet, sie akribisch testet, damit sich das Seine fuegen kann – aus Vorsicht, zur Sicherheit aus Passion. Die Dinge auf seinen Bildern halten in sich selbst. Die innere Mitte als regulativ, gleich welche Konsistenz, welche Variante: horizontale, vertikale, plastische; gleich welche Themen, Strukturen, Modelle, Skulpturen.

Fuegungen sind das, denen jene musikalische Stimmigkeit angeboren ist, untergruendig geladen mit Energie, die den Spannungsbogen haelt, die nichts entkommen lassen, nicht hinein nehmen, was den inneren Frieden stoeren koennte. Und “wenn man die Ebenen spielen laesst“ (Kommnick), scheint Unendlichkeit auf. Seine Arbeit ist Wahrheitssuche, kompromisslos, beharrlich, besessen und freudvoll. Die Dynamik dahinter zeigt sich nicht, erlaeutert nichts. Die Bildstuecke seiner Art tragen in ihrer jeweiligen Konsequenz immer die Moeglichkeit der Rueckbesinnung in sich.

Eine Entwicklung quasi vom Niederen zum Hoeheren, von der Einfuehrung zur Abstraktion oder zum Konkreten – hiesse, einem gaengigen Irrtum aufzusitzen. Das sind keine Antipoden, sondern Quellen der Annaeherung, sowie er das vermutlich sieht.

Es gibt genuegend variable Systeme, auf die der Kuenstler zurueckgreift. Die Dichte und Frische seiner Kunst beruht auf eben dieser Entscheidung.

Freiheit, die er sich zwangslaeufig nehmen muss, und mit der er seine geistigen und kuenstlerischen Ziele verfolgt, die in ihrer Wirkung das zutiefst Ernsthafte als faszinierendes Phaenomen erleben laesst.

Einmal darauf eingelassen, kommst Du nicht mehr los davon ist sie doch brauchbar, geniessbar, zur Sammlung.

Die Kontur fuer die Fuelle seiner Ideen bemisst er streng, fast minimalistisch, um jede Ausschweifung zu vermeiden. Es ist zudem die Handwerklichkeit, die er hochhaelt: Hand anlegen, - nicht fertigen lassen; gemalt, gedruckt, ueberdruckt, eingedruckt, gezeichnet, berechnet, probiert, gebaut. Kein Detail gleicht dem Anderen. Seine Schoepfungen haben Leben. Im Grunde gibt es keinen Beginn im Sinne des Anfangs und keinen Abschluss als Ende.

Es gibt Ebenen und vorerstige Klaerungen. Nichts, das da abgebildet waere. Kommnicks Kunst haelt inne – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Ambivalenzen und Schwingungen und Ruhepunkte verhalten sich wie im wirklichem Leben: die Form gefuehlt fuers Sprechen, Atmen, Emotion; Aussenwelten, Kommunikation… Liebe, Hass, Tod – alles Chaotische, alles Glueck…

Schwebezustaende, die sich die Akzentuierungen durch die Hand des Kuenstlers gefallen lassen, denn sie treiben die Dinge in ihrer Beseeltheit soweit, bis das sie ihr Pendant vergessen, sich aufloesen oder ihr Wesen auf die Spitze treiben. – Skulpturen, nadelfein, ´Schwarz´ und ´Weiss´ in heftiger Umarmung, im eheaehnlichen Zustand, in Konkurrenz oder Ignoranz. Im Schwarz das wirkliche Blau. Die Leere der Unterlassenen im Bild, Freiraeume sind ein Thema. Die Relativierung bringt es an den Tag, man muss nur sein Spiel mit ihr treiben. Kommnicks kunstvoller Biotop stellt sich gern in Frage – ungeachtet aller Schinderei und allen Gluecks.

In diesen, seinen Biotopen jedenfalls geht es wundersam ordentlich zu und gerecht und mit einem untrueglichen Sinn fuer Schoenheit.

Kommnick arbeitet zyklisch, will wissen, wie weit das geht, wie weit man es treiben kann,… schaelen, haeuten, weiter bis hin zum Kern. Sein Werk hat ein hoechst besonderes, hoechst persoenliches Mass;, das weder zu definieren, noch zu fassen ist, denn es agiert ebenso aus den Gewissheiten heraus, wie aus den Tabus…

Das himmelhohe Mass;, von dem man weiss;, man erreicht die voellige Klarheit nie. Und trotzdem ist der Aufwand zur Klaerung lebenslange Provokation. Kann sein, Du verbohrst Dich jaemmerlich dabei, bis dass Du selbst daran kaputt gehst. Kann sein, Du rettest dabei zumindest die eigene Seele. Es ist wahrscheinlich die praezise Kenntnis von Vergeblichkeit, Pirouetten drehend am Abgrund – dem eigenen und dem der Welt.

Petra Hornung, 2010 (Katalog Arbeiten 1999-2010)

 

Die Bildfindungen von Bernd Kommnick Oder Die Adjektivierung von "Quadrat" ist stimmig

Es ist ein Wagnis ueber die Kunst von Bernd Kommnick zu schreiben. Denn man muesste in der Lage sein, auf Augenhoehe des Kuenstlers- Poesie und Praezision im Worte; auf eine Weise zu vermaehlen, die dem Ganzen zumindest nahe kommt. Statt dessen laeuft man Gefahr; geradezu zwangslaeufig, fast naturgemaess-jaemmerlich zu scheitern, weil die Dinge im Grunde viel zu real, viel zu mehrschichtig und viel zu wahrhaftig sind, als dass ich ihnen habhaft werden koennte; sei es nur fuer einen Moment. Das ist wie bei hoeherer Mathematik, in deren Gefilden zwei plus zwei lange nicht vier ergeben.

Das ist wie bei der Philosophie, die Du nicht ernsthaft anrufen darfst bei Lebensfragen, weil ihre Wahrheit nicht auskommt ohne Metaebenen. Das Phaenomen der Varianten ist allemal interessant, allein deshalb, weil wir auf sie nicht kommen, sie nicht bedenken, oder verschenken, oder nicht erahnen.

Keine Zeit fuer Nichts.

Jede Zeit fuer Nichts.

Was ist ein Quadrat?

Was passiert, wenn man es teilt?

Was passiert, wenn man es noch und noch einmal teilt, Diagonalen setzt, es spiegelt, umkehrt.

In diesem winzigen Ausschnitt von Lebenstaetigkeit, der hinterfragt wird und der absolut nicht kompliziert ist-passiert Unendliches. Kann Unendliches passieren. Nicht nur in der Anmutung, nicht als Vision-nur als Gelegenheit; wenn man sich die Zeit nimmt.

Beobachten, schaffen, schauen. Zeit, die verrinnt. Mit der geringsten Handanlegung aendert sich alles-bei Lichte besehn. Die Flaeche, sobald sie ihre Leibhaftigkeit im duennsten aller Papiere spuert, hat sie die Unschuld ihrer Eindimensionalitaet bereits verloren; die Grenze ueberschritten. Der Stift, der lediglich die Linie im Sinn hat, legt sich noch drueber. Oder der Strich drueckt sich durch, goennt sich den Abdruck, der sich unterhalb den Raum nimmt.

Schwarz/Weiss. Farbe. Ton. Klang.

Das Quadrat ist einzig eins mit sich, wenn die Dimensionen theoretisch stimmen. Im wirklichen Leben ist die Adjektivierung "quadratisch" das Feinste und das Richtigste. Die Benennung.

Im Gunde macht Kommnick Quader und Wuerfel von der Flaeche aus.

Bis sich alles emanzipiert.

Aber im Grunde sind das auch Begriffe aus dem Terrain der Gesetzmaessigkeiten, die ignoriert werden koennen-und auf die man sich, wie durch Zauberhand trotzdem verlassen kann. Wie paradox. Und eben deshalb ist es moeglich die Strategie, die es Kommnick zu verfolgen gilt, spielerisch zu nehmen. Dahinter naemlich ist Neugier, Offenheit, Melancholie, Staunen und Konsequenz. Und Zaertlichkeit.

Schwer zu fuehlen, schwer zu machen, schwer zu leben. Gott lob , traegt ihn ein spielerischer Geist. Eigenartig. Eigensinn. Leicht koennte man verrueckt werden.

Kann sein-ein Gleichnis. Eine Gleichung nicht. Und wenn dann wirklich die Wuerfel der Existenz behaupten, haben sie den Anspruch von Skulpturen am Leibe. Und dann geht das Ganze von vorne los. "Ich beschaeftige mich gern mit diesen Verschiebungen, aber nicht auf Kosten der Lebendigkeit und der Intensitaet." (Bernd Kommnick)

Petra Hornung, 2010 (Katalog Quadratarbeiten)